Kilchberg 23.01. - 11.02.24

Kilchberg – C. F. Meyer-Haus

23. Januar - 11. Februar 2024

www.kilchberg/c-f-meyer-haus.ch

 

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Öffnungszeiten

Ausstellung im Kulturkeller im Conradstift

Dorfstrasse 82 (gegenüber C. F. Meyer-Haus)

Di 14-16 Uhr, Sa & So 14-17 Uhr

Einritt frei

 

 

Veranstaltungen

 

Kurator Matthias Peter führt durch die Ausstellung

 

Sa 27.01.24, 15 Uhr

& So 11.02.24, 15 Uhr

Führungen im Kulturkeller im Conradstift

zur «Alphabetisierung & Literarisierung»

Eintritt frei

 

***

 

So 04.02.24, 17 Uhr

Theaterstück im C. F. Meyer-Haus

Alte Landstrasse 170 - Gartensaal

«Jakob Senn - Der ‘Grüne Heinrich‘ von Fischenthal»

Eintritt frei / Kollekte

 

Schauspieler Matthias Peter schlüpft in die Rollen der Brüder Jakob und Heinrich Senn sowie der literarischen Figur «Hans Grünauer».

 

 

 

 

Stellung des Volksdichters Jakob Senn

in der Schweizer Nationalliteratur

 

Wer an die Schweizer Literatur aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts denkt, dem fällt in erster Linie

Jeremias Gotthelf (1797-1854),

Gottfried Keller (1819-1890),

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)

und Johanna Spyri (1827-1901) ein.

 

      

J. Gotthelf           G. Keller                             C. F. Meyer           J. Spyri

 

Im Schatten dieses Viergestirns der Schweizer Nationaldichtung gedieh damals auch eine reiche Volksliteratur. Das Zürcher Oberland hat mit Jakob Stutz (1801-1877) und Jakob Senn (1824-1879) gleich zwei ihrer bedeutendsten Vertreter gestellt.

 

 

 Jakob Stutz    Jakob Senn

 

Trotz Zeitgenossenschaft war die gegenseitige Wahrnehmung mangels eines ländlichen Buchmarktes eingeschränkt.

 

Die Ausstellung über Jakob Senn und die «Alphabetisierung und Literarisierung der Landbevölkerung im 19. Jahrhundert» zeigt, wie sich das Lesen und Schreiben auf dem Lande neben und abseits der grossen Literatur ganz eigenständig entwickeln musste.

 

Von den Werken Jeremias Gotthelfs, die zwischen 1837 und 1852 erschienen sind, haben die Brüder Jakob und Heinrich Senn nachweislich einige gelesen. Aber sie waren schwer zu erwerben, wie aus einer Tagebuchnotiz Heinrich Senns vom 29. November 1854 hervorgeht: Ich wünschte auch einige von seinen Schriften, besonders das Buch: «Wie Uli, der Knecht glücklich wird» zu besitzen. Sie waren bisher sehr theuer, vielleicht werden sie wohlfeiler.

 

Auch die Werke Gottfried Kellers, der 1846 Gedichte, 1854/55 den Roman «Der Grüne Heinrich» und 1856 den ersten Band der Erzählungen «Die Leute von Seldwyla» veröffentlicht, sind für die Brüder Senn im antiquarischen Buchhandel nicht greifbar gewesen.

 

Die Novellen Conrad Ferdinand Meyers, dessen Gedenken im C. F. Meyer-Haus Kilchberg aufrecht erhalten wird, erscheinen erst in den 1870er Jahren.

 

Und die Heidi-Bücher und Erzählungen Johanna Spyris, die im benachbarten Hirzel aufgewachsen ist, wo das Spyri-Museum an ihr Leben und Werk erinnern, erobern das Publikum erst ab 1880.

 

Mit ihnen macht Heinrich Senn erstmals Bekanntschaft, als er am 26. November 1881 den ehemaligen Fischenthaler Lehrer Graf in Seegräben besucht. Ich wurde am nämlichen Abend nicht mehr fortgelassen und wir plauderten u. lasen bis nach Mitternacht wie ehemals, berichtet er. Ich sah bei diesem Anlass Büchlein von der mir bis dato unbekannten Schriftstellerin: Johanna Spyri. Graf u. ich wurden vom Inhalt derselben entzü[c]kt.

 

Jakob Senn hat als angehender Literat während seiner Zeit in Zürich Anknüpfungsversuche bei Gottfried Keller und bei der religiösen Dichterin Meta Heusser (1797-1876) gemacht, Johanna Spyris Mutter, die oft vom Hirzel zu ihrer in der Stadt verheirateten Tochter reiste.

 

Nach dem persönlichen Treffen am 29. Juni 1856 schreibt er an Heinrich, er habe in ihr eine überaus holdselige, ächt christlich gesinnte Frau angetroffen, die sich über ihre eigenen Dichtungen mit der grössten Bescheidenheit ausgesprochen und mit liebenswürdiger Entschiedenheit die Kompetenz ihres Urteils über die Leistungen Anderer abgelehnt habe. Gleichwohl habe sie seinen Erzeugnissen ein schönes Lob, namentlich und bezüglich des Inhaltes gespendet.

 

Gottfried Keller bat er 1863 um Vermittlung des Manuskriptes seines Romans «Hans Grünauer» an einen Verleger. Allerdings ohne Erfolg.